Landwirtschaft

Repräsentativität ist kein Zufall – Verfahrensablauf der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung

Lesedauer: 2 Minuten

Die Besondere Ernte- und Qualitätsermittlung (BEE) ist ein Verfahren, um Erntemengen zu ermitteln. Bei den hierbei verwendeten komplexen mathematischen Methoden spielt eine ausgeklügelte Mischung aus Stichprobenverfahren eine zentrale Rolle. Wie dieses ein Höchstmaß an Repräsentativität möglich macht, soll hier genauer beleuchtet werden.

Von Jörg Führer, Hessisches Statistisches Landesamt

In der amtlichen Statistik geht es darum, die komplexe Wirklichkeit abzubilden – und das mit verlässlichen und objektiven Daten. 1 Im Fall der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung erfolgt die Ertragsfeststellung nach festgelegten Vorgaben und geht damit über den Zufall hinaus, den man dabei vermuten könnte. Es findet eine systematische Auswahl der Betriebe und der Felder statt, für jede in die BEE einbezogene Fruchtart getrennt und zwar jeweils proportional zu ihrer entsprechenden Anbaufläche. Kurz gesagt, es gilt folgende Regel: Wo viel Weizen wächst, wird auch viel Weizen beprobt. Das sieht man auch auf der Karte: In den Landkreisen Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg oder Wetteraukreis werden mehr Proben genommen als im Odenwald- oder Hochtaunuskreis.

Um eine Aussage darüber zu treffen, wie die Ernte in Hessen in diesem Jahr ausfallen wird, benötigt man eine gewisse Mindestanzahl von Proben. Diese wird vom Statistischen Bundesamt vorgegeben: Für Hessen sind bei knapp 160 000 ha Anbaufläche rund 170 Winterweizenfelder zu beproben, aber gleichzeitig bei knapp 15 000 ha Anbaufläche trotzdem 100 Roggenfelder. Wintergerste wird 2019 auf 160 Feldern beprobt werden (knapp 68 000 ha Anbaufläche).

Abbildung 1: Weizenanbau und Anzahl der Winterweizen-BEE Proben
nach Verwaltungsbezirken am Beispiel von 2016

In Hessen wird die BEE in einem dreistufigen Stichprobenverfahren durchgeführt. In der ersten Stufe wählt das Hessische Statistische Landesamt (HSL) die jeweiligen Betriebe, die in die BEE einbezogen werden, aus. Neben der Auswahl eines „Hauptbetriebes“ werden den Probenehmern immer noch Ersatzbetriebe mitgeteilt. Diese werden dann in die Erhebung einbezogen, wenn der Hauptbetrieb in dem aktuellen Jahr die jeweilige Kultur nicht anbaut. (Dies wird 2019 häufiger für Winterraps zutreffen.) Dennoch ist die mathematische Vorgabe bei Raps, dass auf 75 Feldern ein sogenannter Volldrusch (Verwiegung des gesamten Druschgutes des Schlags) durchzuführen ist.

In Stufe 2 und 3 werden das Probefeld und die Probefläche ausgewählt. Das übernehmen die Probenehmer selbst. Wie bereits gesagt, wird nichts dem Zufall überlassen, weil der Gesetzgeber genaue Vorgaben in der sogenannten „Technischen Anleitung“ macht, wie die Probenahmen durchgeführt werden müssen. Haben die ermittelten Betriebe mehr als einen Schlag der jeweiligen Fruchtart im Betrieb, dann kommt ein (flächenproportionales) Losverfahren zum Einsatz. Bei fast gleich großen Schlägen erhält jeder Schlag die gleiche Auswahlchance (also ein Los). Sobald die Feldgrößen deutlich voneinander abweichen, sind die BEE-Beauftragten dazu angehalten, den größeren Schlag mit mehr Losen zu „bedenken“. Nachdem nun das Probefeld ermittelt ist, gilt es, die Probefläche zu bestimmen. Neben der Nennung der Betriebe errechnet das HSL für die Probenehmer immer auch die sogenannte „Startzahl“. Das heißt, die Probenehmer bekommen mitgeteilt, nach wie vielen Schritten ins Feld sie das erste Mal den Messrahmen ausbreiten müssen.

Die Zusammenarbeit von HSL, dem LLH und den BEE-Beauftragten ist hierbei essentiell. Dann stellt dieses mehrstufige, aufwändige Verfahren sicher, dass die Beprobung Jahr für Jahr mit größtmöglicher Genauigkeit durchgeführt wird.

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  1. Dieser Beitrag ist zuerst im Landwirtschaftlichen Wochenblatt (30/2019) erschienen und ist eine Antwort auf den Artikel „Ins Feld mit Messrahmen, Sichel und Sonnencreme“, der ebenfalls im Landwirtschaftlichen Wochenblatt (25/2019) erschienen ist.

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