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Europawahl 2019 in Hessen – Ergebnisse der repräsentativen Wahlstatistik

Die Auswertung der repräsentativen Wahlstatistik der Europawahl am 26. Mai 2019 in Hessen liefert differenzierte Einblicke in die Wahlbeteiligung und in das Wahlverhalten der Wählerinnen und Wähler im Hinblick auf Alter und Geschlecht. Es zeigte sich eine deutlich angestiegene Wahlbeteiligung bei allen Altersgruppen – insbesondere bei den 18- bis 24-Jährigen. Die jungen Wählerinnen und Wähler waren es auch, die sich zunehmend von der CDU und SPD abgewandt und ihre Stimmen den GRÜNEN oder Kleinstparteien gegeben haben. Dabei zeigten sich deutliche Geschlechterunterschiede: Frauen gaben im Vergleich zu Männern häufiger ihre Stimme der CDU, den GRÜNEN oder der SPD, Männer hingegen wählten vergleichsweise häufiger AfD, FDP oder DIE LINKE. Die Grundlage der repräsentativen Wahlstatistik ist eine Stichprobenerhebung von ausgewählten Wahlbezirken, die nach dem Wahlstatistikgesetz (WStatG) erfolgt.

Von Matthias Lehmann, Hessisches Statistisches Landesamt

Einleitung

Seit der ersten Europawahl im Jahr 1979 werden – wie bei den Bundestagswahlen und Landtagswahlen auch – repräsentative Wahlstatistiken ermittelt.1 In ausgewählten Wahlbezirken wird über amtliche Stimmzettel, die mit einem Kennbuchstaben versehen sind, das alters- und geschlechtsspezifische Wahlverhalten erfasst. Das Wahlgeheimnis wird dabei nicht gefährdet: Die gesetzliche Mindestgröße von 400 Wahlberechtigten eines repräsentativen Wahlbezirks und die Einteilung in Altersgruppen lassen keinen Rückschluss auf einzelne Wahlberechtigte und auf die Stimmabgabe der individuellen Wählerinnen und Wähler zu. Gleichwohl sind die Daten der repräsentativen Wahlstatistik äußerst zuverlässig, da sie nicht auf Meinungsumfragen von Forschungsinstituten beruhen, sondern auf Auszählungen von Stimmzetteln und auf Daten der Wählerverzeichnisse. Damit wird nicht das erfragte Wahlverhalten abgebildet, sondern die tatsächliche Wahlentscheidung.

Für die repräsentative Wahlstatistik wurden von den 6 200 hessischen Wahlbezirken insgesamt 169 repräsentative Bezirke gezogen, die sich in 147 Urnen- und 22 Briefwahlbezirke aufteilen. Auf dieser Grundlage können Aussagen über das Wahlverhalten von 3,2 % der insgesamt 2,6 Mill. Wählerinnen und Wähler getrennt nach Altersgruppen2 und Geschlecht getroffen werden. Die Auswahl der Stichprobe trifft der Bundeswahlleiter im Einvernehmen mit dem Landeswahlleiter und dem Hessischen Statistischen Landesamt unter Einhaltung der oben genannten Kriterien.

Wahlbeteiligung in allen Altersgruppen angestiegen

Bei der Europawahl 2019 gaben nach amtlichem Endergebnis 58,4 % der wahlberechtigten Hessinnen und Hessen ihre Stimme ab. Damit liegt der Wert deutlich höher als im Jahr 2014 (42,2 %). Mit Blick auf die Altersstruktur der Wählerinnen und Wähler zeigt sich, dass in allen Altersgruppen die Wahlbeteiligung gestiegen ist – insbesondere unter den jüngeren Wahlberechtigten zwischen 18 und 24 Jahren. Die Jungwählerinnen und Jungwähler (18 bis 20 Jahre) beteiligten sich mit 56,3 % an dieser Europawahl und haben mit 21,8 Prozentpunkten den höchsten Zuwachs gegenüber 2014. Den geringsten Zuwachs bei der Wahlbeteiligung wiesen mit 13,8 Prozentpunkten die 35- bis 39-Jährigen auf. Für alle Altersgruppen zusammen zeigte sich ein leichter Zusammenhang zwischen Alter und Beteiligungsquote (siehe Abbildung 1). Demnach sank zunächst die Wahlbeteiligung bei den Altersgruppen zwischen 18‑20 und 35-39 Jahren und stieg in den Altersgruppen zwischen 40-44 und 60-69 Jahren wieder deutlich an. Bei den Wählerinnen und Wählern ab 70 Jahre ging die Wahlbeteiligung schließlich erneut zurück.

Abbildung 1: Wahlbeteiligung bei den Europawahlen 2019 und 2014 in Hessen nach Altersgruppen (in %)

Abbildung 2: Wahlbeteiligung bei der Europawahl 2019 in Hessen nach Altersgruppen und Geschlecht (in %)

Die Wahlbeteiligung von Frauen und Männern war bei der Europawahl 2019 mit rund 58 % nahezu identisch. Im Vergleich zur Europawahl 2014, bei der sich noch etwas mehr Männer (42,5%) als Frauen (40,9 %) beteiligten, hat sich die Geschlechterverteilung nun angeglichen.    

Ein Blick auf die einzelnen Altersgruppen zeigt weiterhin, dass sich die Frauen in den Altersgruppen bis 59 Jahre häufiger bei der Europawahl 2019 beteiligten als gleichaltrige Männer. Erst in der Altersgruppe ab 70 Jahre oder älter dreht sich das Geschlechterverhältnis um und die Wahlbeteiligung der Männer (68,3 %) war deutlich höher als diejenige der Frauen (60,2 %). Männer im Alter zwischen 35 und 39 Jahren wiesen mit 47,2 % den geringsten Wert bei der Wahlbeteiligung auf.

CDU verliert junge Wählerinnen und Wähler und bleibt bei Älteren beliebt

Die stärkste Partei bei der Europawahl in Hessen war die CDU. Der Stimmenanteil lag nach amtlichem Endergebnis bei 25,8 %. Im Vergleich zur Europawahl 2014 verloren die Christdemokraten –4,8 Prozentpunkte. Mit Blick auf das Geschlecht der Wählerinnen und Wähler wurde die CDU von mehr Frauen (27,2 %) gewählt als von Männern (25,3 %). Die geschlechtsspezifischen Unterschiede haben sich im Vergleich zu 2014 etwas verringert, da die CDU vor allem bei den Wählerinnen höhere Stimmenverluste hinnehmen musste (–5,3 Prozentpunkte) als bei den Männern (–3,5 Prozentpunkte).  

Bei älteren Menschen war die CDU besonders beliebt. Von den gültigen Stimmen der 70-Jährigen oder Älteren konnte die Partei einen Anteil von 44,0 % für sich gewinnen. Damit lagen sie 18,2 Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt der CDU (25,8 %). Am seltensten wurden die Christdemokraten von den Wählerinnen und Wähler im Alter zwischen 18 und 24 Jahren gewählt. In dieser Altersgruppe erzielten sie nur einen Stimmenanteil von 9,5 % und lagen damit 16,3 Prozentpunkte unter dem Landesdurchschnitt. Die gemeinsame Betrachtung von Alter und Geschlecht zeigt, dass die CDU den höchsten Stimmenanteil bei den Frauen erzielen konnte, die 70 Jahre oder älter waren. Mit 46,0 % lagen sie dort 20,2 Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt. Den geringsten Anteil erzielte die CDU bei den 18- bis 24-jährigen Frauen mit einem Wert von 9,4 %.

Abbildung 3: Wahlentscheidung bei den Europawahlen 2019 und 2014 in Hessen nach Geschlecht (Anteil an den gültigen Stimmen, in %)

GRÜNE mit Höchstwerten bei 18- bis 24-jährigen Frauen

Die GRÜNEN legten mit einen Stimmanteil von 23,4 % gegenüber 2014 um 10,5 Prozentpunkte zu. Dabei konnten sie vor allem die Stimmen der Frauen für sich gewinnen, die mit einem Anteil von 26,0 % (+10,5 Prozentpunkte) die GRÜNEN wählten. Bei den Männern war der Stimmenanteil mit 19,4 % (+8,4 Prozentpunkte) deutlich geringer. Damit vergrößerte sich der geschlechterspezifische Abstand zwischen Wählerinnen und Wählern der GRÜNEN von 4,5 Prozentpunkte zugunsten der Frauen im Jahr 2014 auf 6,6 Prozentpunkte in 2019.

Die GRÜNEN konnten in allen Altersgruppen Gewinne bei den Stimmenanteilen gegenüber 2014 verbuchen. Überdurchschnittliche Wahlergebnisse erzielten sie bei Wählerinnen und Wählern unter 60 Jahren. Besonders weit über dem Landesergebnis (23,4 %) lagen mit einem Stimmenanteil von 38,6 % die 18- bis 24-Jährigen (+15,2 Prozentpunkte). Trotz der Stimmengewinne gegenüber der letzten Europawahl 2014 lag der Stimmenanteil der 70-Jährigen oder Älteren mit 9,6 % unter dem Landesdurchschnitt (–13,8 Prozentpunkte). Die differenzierte Auswertung nach Altersgruppen und Geschlecht zeigt, dass die GRÜNEN ihre mit Abstand höchsten Stimmenanteile bei Frauen von 18 bis 24 Jahren erzielen konnten. Mit 46,3 % konnten sie fast die Hälfte der Stimmen dieser Personengruppe für sich gewinnen. Keine andere Partei erreichte bei den Jungwählerinnen und Jungwählern einen zweistelligen Stimmenanteil. Den geringsten Zuspruch mit einem Stimmenanteil von 8,7 % fanden die GRÜNEN fanden bei den Männern, die 70 Jahre oder älter waren.

Abbildung 4: Differenz zwischen den Stimmenanteilen bei Frauen und Männern bei den Europawahlen 2019 und 2014 in Hessen nach ausgewählten Parteien

Starke Verluste bei der SPD über alle Altersgruppen hinweg

Die SPD musste mit 11,9 Prozentpunkten den stärksten Stimmenverlust hinnehmen. Sie erzielte bei dieser Europawahl insgesamt 18,4 %. Frauen wählten die Sozialdemokraten etwas häufiger (19,3 %) als Männer (17,8 %). Erhebliche Stimmenverluste im Vergleich zu 2014 musste die Partei bei beiden Geschlechtern hinnehmen: Bei den Wählerinnen verloren sie 10,6 Prozentpunkte und bei den Wählern 11,6 Prozentpunkte.

Auch in sämtlichen Altersgruppen wurde die SPD deutlich seltener gewählt. Den höchsten Stimmenanteil erzielte die Partei bei den Wählerinnen und Wählern im Alter von 70 Jahren oder älter mit 26,4 %. Im Vergleich zur Europawahl 2014 sind dies jedoch 8,0 Prozentpunkte weniger. In dieser Altersgruppe zeigten sich überdies kaum Unterschiede bei den Stimmenanteilen zwischen den weiblichen (26,3 %) und männlichen Wählern (26,4 %). Noch größere Stimmenverluste verzeichnete die SPD in den Altersgruppen 60 bis 69 Jahre (–13,2 Prozentpunkte), 45 bis 59 Jahre (–12,6 Prozentpunkte) und 18 bis 24 Jahre (–12,1 Prozentpunkte). In der jüngsten Altersgruppe erzielte die SPD mit einem Stimmenanteil von 8,5 % darüber hinaus ihr schlechtestes Ergebnis. Auch bei dieser Altersgruppe gab es kaum Unterschiede zwischen Männern (8,5 %) und Frauen (8,6 %). Geschlechterunterschiede zeigten sich vor allem in den Altersgruppen zwischen 25 und 69 Jahren, in denen die SPD häufiger von Frauen gewählt wurde.

AfD, FDP und DIE LINKE häufiger von Männern gewählt

Die AfD erhielt auch bei ihrer zweiten Teilnahme an einer Europawahl erheblich mehr Stimmen von Männern (13,6 %) als von Frauen (6,6 %), wenngleich sich ihr Gesamtergebnis (9,9 %) im Vergleich zur Europawahl 2014 nur leicht erhöhte (+0,8 Prozentpunkte). Gegenüber der letzten Europawahl konnte sie den Stimmenanteil der Männer noch einmal erhöhen: Der Abstand der Männer zu den Frauen ist von 4,7 auf 7,0 Prozentpunkte angestiegen.

Beim Vergleich der Altersgruppen zeigte sich, dass die AfD überdurchschnittlich häufig von den mittleren Altersgruppen von 35 bis 69 Jahren gewählt wurde. Das beste Ergebnis erzielte die Partei bei den 45- bis 59-Jährigen mit einem Stimmenanteil von 12,0 %. Den geringsten Anteil der Stimmen erzielten sie mit 4,9 % bei den 18- bis 24-Jährigen.

Aufschlussreich ist die differenzierte Betrachtung der AfD-Wählerinnen und ‑Wähler nach Altersgruppen und Geschlecht: Die Stimmenanteile der Männer sind gegenüber dem Landesdurchschnitt von 9,9 % bei fast allen Altersgruppen überdurchschnittlich und bei allen Altersgruppen der Frauen unterdurchschnittlich. Keine andere Partei polarisierte Wählerinnen und Wähler bei einer Wahlentscheidung derart deutlich. Lediglich bei der jüngsten Altersgruppe der 18- bis 24-jährigen Männern wies die AfD mit einem Stimmenanteil von 6,4 % ein niedrigeres Ergebnis auf als der Landesdurchschnitt. Das höchste Ergebnis erzielte die AfD bei den Männern zwischen 45 und 59 Jahren mit 16,1 % der Stimmen (+6,2 Prozentpunkte gegenüber dem Landesergebnis).

Tabelle 1: Wahlentscheidung bei der Europawahl 2019 in Hessen nach Altersgruppen und Geschlecht

Altersgruppe
in Jahren
Wahl-
beteiligung
CDUGRÜNESPDAfDFDPDIE
LINKE
Sonstige
Anteil an gültigen Stimmen
in %
Männer
18 - 2451,89,530,78,56,411,36,926,7
25 - 3449,014,222,810,411,49,16,825,3
35 - 4449,620,522,511,515,37,94,617,7
45 - 5958,522,722,716,216,16,94,610,7
60 - 6965,225,618,822,415,66,34,96,4
70 oder älter68,341,68,726,411,56,12,43,3
Zusammen58,225,319,417,813,67,34,612,0
Frauen
18 - 2456,39,446,38,63,45,16,620,6
25 - 3450,214,535,512,75,06,36,519,7
35 - 4451,420,831,414,96,96,04,715,3
45 - 5960,521,432,016,78,05,93,912,1
60 - 6965,128,422,024,38,25,63,67,8
70 oder älter60,246,010,326,35,66,41,73,8
Zusammen58,327,226,019,36,66,03,911,0
Zusammen
18 - 2454,09,538,68,54,98,26,723,6
25 - 3449,614,329,111,58,27,76,622,5
35 - 4450,520,727,013,211,16,94,716,5
45 - 5959,522,127,416,512,06,44,311,4
60 - 6965,127,120,423,411,85,94,37,1
70 oder älter63,744,09,626,48,36,22,03,6
Amtliches
Endergebnis
58,425,823,418,49,96,44,411,7

Nach dem Stimmenverlust bei der Europawahl 2014 konnte die FDP sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen wieder Stimmen gewinnen. Die Männer wählten die Liberalen mit einem Stimmenanteil von 7,3 % (+2,4 Prozentpunkte gegenüber der Europawahl 2014), bei den Frauen erzielten sie 6,0 % (+2,2 Prozentpunkte). Die FDP erzielte im Gesamtergebnis einen Stimmenanteil von 6,4 % (+2,3 Prozentpunkte).

Gegenüber der Europawahl 2014 konnte die FDP in allen Altersgruppen Stimmengewinne verzeichnen. Bei der jüngsten Altersgruppe, den unter 25-Jährigen, schnitt die Partei am besten ab. Mit einem Stimmenanteil von 8,2 % lagen die Liberalen in dieser Altersgruppe mit 1,8 Prozentpunkten über ihrem Gesamtergebnis. Unter dem Landesdurchschnitt lagen die Altersgruppen ab 60 Jahre. Von den 60- bis 69-Jährigen wählten 5,9 % und von den 70-Jährigen oder Älteren 6,2 % die FDP.

Die gemeinsame Betrachtung von Altersgruppen und Geschlecht ergab, dass die FDP vor allem junge, männliche Wähler in der Altersgruppe 18 bis 24 Jahre für sich gewinnen konnte. Sie machten einen Anteil von 11,3 % der Stimmen aus und lagen somit 4,9 Prozentpunkte über dem Gesamtergebnis der Liberalen. Die jungen Frauen hingegen lieferten mit einem Stimmenanteil von 5,1 % das schlechteste Ergebnis für die FDP.

DIE LINKE, die im Gesamtergebnis einen Anteil von 4,4 % der gültigen Stimmen erzielte,musste sowohl bei ihren Wählerinnen als auch bei ihren Wählern Stimmenverluste hinnehmen. Vor allem bei den Männern, reduzierte sich der Stimmenanteil von 6,5 % auf 4,6 % (–1,9 Prozentpunkte). Bei den Frauen, deren Anteil im gleichen Zeitraum von 4,9 % auf 3,9 % sank, war der Stimmenverlust mit –1,0 Prozentpunkten weniger stark. Vor allem jüngere Wählerinnen und Wähler konnte DIE LINKE bei der Europawahl für sich gewinnen. Den höchsten Stimmenanteil erzielte die Partei bei den 18- bis 24-Jährigen mit 6,7 %. Von den Wählerinnen und Wählern, die 70 Jahre oder älter waren, entschieden sich nur 2,0 % für DIE LINKE. Insgesamt verzeichnete sie bei allen Altersgruppen Stimmenverluste gegenüber der Europawahl 2014, insbesondere bei den 45- bis 59-Jährigen, deren Stimmenanteil von 7,1 % auf 4,3 % sank (–2,8 Prozentpunkte).

Abbildung 5: Wahlentscheidung bei der Europawahl 2019 in Hessen sowie Gewinne und Verluste gegenüber der Europawahl 2014 nach Altersgruppen

Werden Altersgruppen und Geschlecht kombiniert betrachtet, zeigen sich nur wenige Unterschiede. Insgesamt konnte DIE LINKE bei der Europawahl 2019 tendenziell mehr Männer ab 45 Jahre für sich gewinnen als Frauen ab diesem Alter. Der höchste Stimmenanteil entfiel bei der Partei DIE LINKE auf die jungen Männer zwischen 18 und 24 Jahren mit 6,9 %. Bei den Frauen lag der Anteil in der gleichen Altersgruppe mit 6,6 % nur knapp darunter.

Wählerschaften der Parteien

In den bisherigen Auswertungen wurde der Blick darauf gerichtet, welche Parteien die einzelnen Altersgruppen sowie Männer und Frauen gewählt haben. Die Daten der repräsentativen Wahlstatistik ermöglichen es auch, die Gesamtheit der Wählerinnen und Wähler der einzelnen Parteien nach Altersgruppen auszuwerten. Um die Ergebnisse der Parteiwählerschaften besser einordnen zu können, ist es wichtig, die Altersverteilungen der Gesamtwählerschaft in Hessen zu kennen.

Folgendes Bild ergibt sich bei der Betrachtung der Altersstruktur der hessischen Wählerinnen und Wähler: Die größte Altersgruppe bilden mit 27,7 % die 45- bis 59‑jährigen Wählerinnen und Wähler. Die kleinste Gruppe hingegen bilden die Jüngsten von 18 bis 24 Jahren mit 7,2 %. Die mittleren Altersgruppen der 25- bis 34-Jährigen sowie der 35- bis 44-Jährigen sind mit 11,6 % und 11,8 % ähnlich häufig vertreten. Die Gruppe der Älteren verteilte sich mit 17,6 % auf die 60- bis 69-Jährigen. Fast ein Viertel (24,1 %) der Wählerinnen und Wähler war schließlich 70 Jahre oder älter.

Die Wählerschaften der hessischen CDU und SPD wiesen eine ähnliche Altersverteilung auf. Bei beiden Parteien war mit 58,5 % (CDU) bzw. 56,4 % (SPD) der Anteil der Wählerinnen und Wähler, die 60 Jahre oder älter waren, am höchsten. Die jungen Wählerinnen und Wähler zwischen 18 und 24 Jahren hingegen waren mit Stimmenanteilen von 2,6 % bei der CDU und 3,3 % bei der SPD gegenüber der Gesamtwählerschaft nur unterdurchschnittlich vertreten. Das gleiche Bild zeigte sich bei den Wählerinnen und Wählern dieser Altersgruppe für die AfD (3,5 %).

Abbildung 6: Altersstruktur der Wählerinnen und Wähler der Parteien bei der Europawahl 2019 in Hessen nach Altersgruppen in Jahren (in %)

Die jungen Wählerinnen und Wähler im Alter zwischen 18 und 24 Jahren waren vor allem bei den GRÜNEN (12,1 %), bei der LINKEN (11,5 %) und bei der FDP (8,8 %) überdurchschnittlich vertreten. In der Gesamtwählerschaft betrug ihr Anteil 7,2 %. Die mittlere Altersgruppe von 45 bis 59 Jahren war mit jeweils einem Drittel (33,3 %) im Vergleich zu allen Wählerinnen und Wählern (27,7 %) überdurchschnittlich häufig bei den GRÜNEN und der AfD vertreten. DIE LINKE lag bei dieser Altersgruppe anteilig auf dem Niveau der Gesamtwählerschaft (28,0 %). Die Altersstruktur der FDP war schließlich gegenüber allen anderen Parteien der Altersverteilung aller Wählerinnen und Wähler des Landes Hessen am ähnlichsten.

Zusammenfassung

Die repräsentative Wahlstatistik für die 9. Wahl der Abgeordneten des Europäischen Parlaments am 26. Mai 2019 in Hessen liefert Einblicke in das Wahlverhalten der Wählerinnen und Wähler. Einige Kontinuitäten, aber auch einige Veränderungen im Vergleich zur Europawahl 2014 brachte diese Europawahl mit sich.

Zunächst ist eine deutlich gestiegene Wahlbeteiligung der hessischen Wahlberechtigten zu erkennen – vor allem bei den jüngeren Wählerinnen und Wählern im Alter zwischen 18 und 24 Jahren. Gleichwohl blieb der Zusammenhang zwischen Alter und Wahlbeteiligung bestehen. Demnach nahm die Wahlbeteiligung zunächst mit zunehmendem Alter ab und stieg ab der Altersgrenze von etwa 50 Jahren wieder an. Dieser Alterseffekt zeigte sich sowohl bei Männern, als auch bei Frauen. Allerdings lag die Wahlbeteiligung bei den Frauen in fast allen Altersgruppen etwas höher als bei den Männern.

Bei der Wahlentscheidung zeigten sich einige alters- und geschlechterbedingte Verschiebungen bei den großen Parteien CDU und SPD zugunsten der GRÜNEN. Die hessischen Christdemokraten und Sozialdemokraten hatten gegenüber der Europawahl 2014 in allen Altersgruppen Stimmenverluste zu verzeichnen. Davon profitierten vor allem die GRÜNEN, die insbesondere junge Wählerinnen und Wähler für sich mobilisieren konnten. Die AfD hingegen konnte ihre Position stabilisieren, verzeichnete aber vor allem bei jüngeren Wählerinnen Stimmenverluste. Bei männlichen Wählern hingegen erzielte die Partei einige Stimmengewinne. Die FDP konnte ebenfalls Stimmengewinne in allen Altersgruppen sowie bei Männern und bei Frauen verbuchen. DIE LINKE schließlich verzeichnete bei beiden Geschlechtern sowie in allen Altersgruppen Stimmenverluste, am stärksten bei Personen im Alter zwischen 45 und 59 Jahren.

Die Auswertung der Wählerschaften richtet den Blick auf die Altersstruktur der Wählerinnen und Wähler der einzelnen Parteien. Die Hauptwählerschaften der hessischen CDU und SPD konzentrierten sich auf die Gruppe der über 60-Jährigen. Die GRÜNEN konnten, trotz ihres vergleichsweise großen Anteils an jungen Wählerinnen und Wählern, hauptsächlich 45- bis 59-Jährige von ihrer Politik überzeugen. Dies galt gleichermaßen für die AfD, FDP und DIE LINKE.

Weiterführende Informationen

Der Statistische Bericht „Wahlbeteiligung und Wahlentscheidung bei der Europawahl in Hessen am 26. Mai 2019. Ergebnisse der repräsentativen Wahlstatistik“ wurde im August 2019 veröffentlicht und steht zum kostenlosen Download unter www.statistik.hessen.de bereit. Der bereits im Juli erschienene Statistische Bericht „Die Europawahl in Hessen am 26. Mai 2019“ enthält neben den endgültigen Ergebnissen eine kurze Abhandlung über die wichtigsten Wahlergebnisse.

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  1. Die rechtliche Grundlage für die repräsentative Wahlstatistik ist das Gesetz über die allgemeine und repräsentative Wahlstatistik bei der Wahl zum Deutschen Bundestag und bei der Wahl der Abgeordneten des Europäischen Parlaments aus der Bundesrepublik Deutschland (WStatG) vom 21. Mai 1999, zuletzt geändert durch Art. 1a des Gesetzes vom 27. April 2013.
  2. Die Auswertungen zur Wahlbeteiligung und zur Wahlentscheidung unterscheiden sich bei den Altersgruppen aufgrund unterschiedlicher Erhebungsmethoden. Die Wahlentscheidung von Wählerinnen und Wählern wird differenziert nach 6 Altersgruppen und nach Geschlecht über amtliche Stimmzettel mit Unterscheidungsaufdrucken (Kennbuchstabe, Geschlecht und die Geburtsjahresgruppe, z.B. „H. weiblich 1985 – 1994“) erhoben. Die Ergebnisse zur Wahlbeteiligung werden durch Auszählungen der Wählerverzeichnisse differenziert nach 10 Altersgruppen und nach Geschlecht ermittelt.

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