Zensus

Volkszählungen im System der amtlichen Statistik

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Volkszählungen liefern Informationen über die Zahl und die demografische und sozioökonomische Struktur der Bevölkerung, der Erwerbstätigen, der Haushalte und der Familien. Die im Rahmen von Volkszählungen üblicherweise gleichzeitig erhobenen Wohnungs- und Gebäudedaten liefern darüber hinaus Informationen über die Wohnsituation der Bevölkerung aber auch Bestandsdaten zu Gebäuden und Wohnungen. Mit dem Volkszählungsurteil vom 15. Dezember 19831 wurde neben der Etablierung des Grundrechtes auf informationelle Selbstbestimmung auch die Suche nach Alternativen zur bislang praktizierten Methode der Totalerhebung gefordert. Nach einem Methodentest im Jahr 2001 wurde 2011 erstmals eine registergestütztes Verfahren in Deutschland eingesetzt, welches für den Zensus 2021 weiterentwickelt wird.

Von Carsten Beck, Hessisches Statistisches Landesamt

Volkszählungsdaten dienen somit als Grundlage für Entscheidungen und Planungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Volkszählungsdaten werden von den politischen Entscheidungsträgern in Bund, Ländern und Gemeinden, zunehmend aber auch in der Europäische Union genutzt. Auch für die Wirtschaft, die Verwaltung, die Wissenschaft und die interessierte Öffentlichkeit sind Zensusergebnisse eine unverzichtbare Datengrundlage.

Auch innerhalb des statistischen Gesamtsystems nehmen Volkszählungen eine zentrale Stellung im ein, indem sie

  • Basisinformationen für andere Statistiken liefern,
  • Regionalinformationen für eine Vielzahl von Fragestellungen bereitstellen und
  • Rahmeninformationen für zahlreiche Aufgaben verfügbar machen.   

Der Fragenkatalog der seit 1950 in der Bundesrepublik Deutschland durchgeführten Volkszählungen umfasst einen konstanten Kern demografischer und auf das Erwerbsleben bezogener Fragen. Zur Erhebung dieser Daten begingen in der Bundesrepublik Deutschland bis 1987 Zählerinnen und Zähler das komplette Gemeindegebiet und verteilten Formulare an alle Haushalte oder ließen sie direkt ausfüllen. Auf diese Weise konnten die von Zeit zu Zeit erforderlichen Bestandsaufnahmen (Inventur) neben der reinen Einwohnerzahl in tiefer fachlicher und regionaler Gliederung eine Vielzahl kombinierbarer Personen- und Haushaltsdaten liefern, die nach gleichen Kriterien und zu einem einheitlichen Stichtag ermittelt worden waren.

Meist waren mit den Volkszählungen noch zusätzliche Gebäude- und Wohnungszählungen (GWZ) sowie Betriebs- oder Arbeitsstättenzählungen verbunden, um das Erhebungsspektrum abzurunden. Hierzu wurden 1987 in Hessen etwa 60.000 Erhebungsbeauftragte eingesetzt, die die damals knapp 6 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner persönlich aufsuchten und befragten.

Schon bald nach dieser letzten als Vollerhebung durchgeführten Volkszählung begann in Deutschland eine Diskussion um die Methode künftiger Volkszählungen. Auslöser dafür war primär das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur ursprünglich für 1983 geplanten und letztlich 1987 durchgeführten Zählung. Darin wurde die traditionelle Vollerhebung als zum damaligen Zeitpunkt adäquate Methode anerkannt, gleichzeitig aber auch gefordert, Alternativen für zukünftige Volkszählungen zu suchen, mit denen sowohl die Belastung der Bürgerinnen und Bürger als auch die Einschränkung ihrer Persönlichkeitsrechte („informationelle Selbstbestimmung“) verringert werden könnten. Im Vordergrund der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes stand nicht automatisch eine Veränderung der Methode für künftige Zählungen. Aufgabe der amtlichen Statistik ist es, die primärstatistischen Befragungen hinsichtlich der Belastung der Bevölkerung möglichst gering zu halten, was durch eine verstärkte Nutzung von Registerdaten möglich ist. Andererseits aber ist auch die organisatorische Vorgabe der strikten Trennung zwischen Verwaltung und Statistik – auch oder gerade auf kommunaler Ebene – bei der Erhebung und der Verarbeitung der Daten zu beachten.

Infokasten 1: Wozu dienen Volkszählungen?

Volkszählungen liefern Informationen über die Zahl und die demografische und sozioökonomische Struktur der Bevölkerung, der Erwerbstätigen, der Haushalte und der Familien. Die im Rahmen von Volkszählungen üblicherweise gleichzeitig erhobenen Wohnungs- und Gebäudedaten liefern Informationen über die Wohnsituation der Bevölkerung, Haushalte und Familien, aber auch Bestandsdaten zu Gebäuden und Wohnungen.

Volkszählungsdaten dienen somit als Grundlage für Entscheidungen und Planungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Volkszählungsdaten werden von den politischen Entscheidungsträgern in Bund, Ländern und Gemeinden, zunehmend aber auch in der Europäische Union genutzt. Auch für die Wirtschaft, die Verwaltung, die Wissenschaft und die interessierte Öffentlichkeit sind Zensusergebnisse eine unverzichtbare Datengrundlage. Um zu veranschaulichen, wozu die Informationen aus Volkszählungen gebraucht werden, hier einige Beispiele:
– Feststellung der amtlichen Einwohnerzahl in Bund, Ländern und Gemeinden. Die amtliche Einwohnerzahl dient unter anderem als Bemessungsgrundlage für die Finanzausgleiche auf Ebene der Länder und der Kommunen.
– Die amtliche Einwohnerzahl wird ferner als Richtgröße für die Einteilung der Bundestagswahlkreise, für die Berechnung der Zahl der Stimmen der Länder im Bundesrat und für die Berechnung der Zahl der Sitze in den Gemeinderäten genutzt.
– Volkszählungsdaten werden als Auswahlgrundlage und Hochrechnungsrahmen für amtliche und nichtamtliche Stichprobenerhebungen sowie als Basis für Fortschreibungen verwendet. So dienen Volkszählungsergebnisse beispielsweise mit als Auswahlgrundlage für den Mikrozensus, die größte amtliche Haushaltsbefragung in Deutschland.

Zensusmodell seit 2011

Erstmals 2011 wurde als Ergebnis der durch das Bundesverfassungsgerichtsurteil von 1983 ausgelösten Methodendiskussion und einem im Jahr 2001 stattgefundenen Test ein registergestützter Zensus durchgeführt. Für das Jahr 2021 ist in der Bundesrepublik Deutschland wieder ein Zensus geplant. Wie bereits im Jahr 2011 wird dieser ebenfalls in registergestützter Form durchgeführt. Das bedeutet, dass vorrangig bereits vorhandene Verwaltungsregister als Datenquellen genutzt werden. Nur für bestimmte Bereiche oder Merkmale werden die Registerangaben durch traditionell durchgeführte Voll- und Stichprobenerhebungen (Haushaltebefragung auf Stichprobenbasis und Erhebung an Anschriften mit Sonderbereichen) und einer Gebäude- und Wohnungszählung ergänzt. Diese ergänzenden Erhebungen sind notwendig, um benötigte Angaben, die nicht in Registern vorhanden sind bzw. für die es keine Register gibt, zu gewinnen.

Abbildung 1: Zensusmodell

Derzeit wird auch über die Weiterentwicklung des Zensusmodells dahingehend nachgedacht, dass in Zukunft auf ergänzende Befragungen möglichst ganz verzichtet werden kann. Das bedeutet aber, dass für einige Bereiche die jetzt vorhandenen Register ertüchtigt bzw. in einigen Fällen auch neue Register aufgebaut werden müssten. Die derzeit bestehenden Register decken nur Teile des Informationsbedarfes ab. So besteht beispielsweise kein Register, aus dem die Bildungs- und Ausbildungsabschlüsse der in Deutschland lebenden Bevölkerung enthalten sind.

Steuerungsregister und Eigentümerregister als zentrale Elemente

Mit dem Gesetz zur Vorbereitung eines registergestützten Zensus einschließlich einer Gebäude- und Wohnungszählung 2021 (Zensusvorbereitungsgesetz 2021 – ZensVorbG 2021) vom 3. März 2017 wurden die notwendigen rechtlichen Grundlagen zur Vorbereitung des Zensus 2021 gelegt. Geregelt sind in diesem Gesetz die Lieferungen von Registerdaten für das für den Zensus 2021 aufzubauende Steuerungsregister sowie ein damit verbundener Eigentümerdatenbestand. Der Aufbau dieses zentralen Steuerungsinstruments ist für den Zensus 2021 von zentraler Bedeutung, da es die Voraussetzung für eine vollständige Erfassung aller relevanten Anschriften sowie die Organisation des Zensus und seiner Teilerhebungen darstellt. Das Steuerungsregister (siehe Abbildung 2) besteht primär aus dem zentralen Anschriftenbestand und den Steuerungs- und Klassifizierungsmerkmalen, beispielsweise der Zahl der Wohnungen in einem Gebäude, der Zahl der Personen in einem Gebäude oder der Sonderbereichs- und Stichprobenkennzeichnung, die Angaben zu den Auskunftspflichtigen für die Erhebung an Anschriften mit Sonderbereichen und Angaben zu den Auskunftspflichtigen für die Gebäude- und Wohnungszählung enthält. Die einzelnen Bestände des Steuerungsregisters sind über Ordnungsnummern verknüpft, sodass eine redundante Datenhaltung vermieden werden kann.

Abbildung 2: Grundaufbau Steuerungsregister

Anmerkungen: Basistabelle: Liefert Grundinformationen zur statistischen Einheit Anschrift.
Zu jeder Anschrift ist genau ein Datensatz abgelegt. Satellitentabelle: Liefert zusätzliche Informationen. Es müssen nicht Informationen zu allen Anschriften enthalten sein, zu jeder Anschrift können aber mehrere Datensätze abgelegt sein.
Quelle: Fachkonzept „Aufbau und Nutzung des Steuerungsregisters“

Voraussetzung für die vollständige Erfassung der Bevölkerung ist die Ermittlung aller existierenden Gebäude mit Wohnraum einschließlich aller bewohnten Unterkünfte. Erster Schritt beim Aufbau eines entsprechenden Registers ist das Einspielen des bundesweit vorliegenden Anschriftenbestandes aus dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG, GA-Daten). Dieser Bestand enthält neben den Angaben zur Anschrift (Straße, Hausnummer, Postleitzahl, Ortsname) den Amtlichen Gemeindeschlüssel und einen Straßenschlüssel. Von besonderem Wert ist, dass die Anschriften der Gebäude um ihre Gebäudekoordinaten ergänzt wurden und somit einen georeferenzierten räumlichen Bezug haben (siehe Infobox 2).

Infokasten 2: Merkmale des Steuerungsregisters

Zentrale Einheit im Zensus ist die Anschrift. Über sie werden die einzelnen Erhebungsteile koordiniert und gesteuert. Es ist daher Aufgabe des Steuerungsregisters, die verschiedenen Datenquellen zusammenzuführen und insbesondere die primärstatistischen Erhebungen (Haushaltebefragung auf Stichprobenbasis, Erhebung an Sonderbereichen, Gebäude- und Wohnungszählung) zu steuern. Basisangaben im Steuerungsregister sind entsprechend die Anschriftenbestände mit folgenden Merkmalen:
– Postleitzahl
– Gemeindename und -schlüsselnummer,
– Straßenname und -schlüsselnummer,
– Hausnummer,
– geografische Koordinaten,
– Zuordnung zu kleinräumigen Gliederungssystemen,
– Wohnraumeigenschaft,
– Gemeindegrößenklasse.

Darüber hinaus werden im Anschriftenbestand die Steuerungs- und Klassifizierungsmerkmale zur Vorbereitung, Organisation, Durchführung und Auswertung des Zensus gespeichert. Diese sind:
– das Stichprobenkennzeichen,
– das Kennzeichen der Erhebungsstelle,
– ggfls. ein Sonderbereichskennzeichen,
– Gebäude- und wohnungsbezogene Angaben,
– die Personenzahl nach Haupt- und Nebenwohnung und
– die Anzahl der Wohnungen bzw. der bewohnten Wohnungen.

Im nächsten Schritt werden diese GA-Daten mit Daten aus den kommunalen Melderegistern verknüpft. Sie werden benötigt, um die Gebäude mit Wohnraum und die bewohnten Unterkünfte erkennen und als solche kennzeichnen zu können. Ziel ist ein Anschriftenregister, das im Idealfall alle bewohnten Anschriften einer Regionaleinheit sowie die zugehörigen Steuerungs- und Klassifizierungsmerkmale umfasst. Hierzu gehören beispielsweise Angaben über das Vorhandensein von Wohnraum, die Zahl der Bewohner an einer Anschrift, Angaben zu den Auskunftspflichtigen für die Erhebung an Anschriften mit Sonderbereichen (Wohnheime und Gemeinschaftsunterkünfte) und Angaben zu den Auskunftspflichtigen für die Gebäude- und Wohnungszählung. Mit weiteren Abzügen aus den genannten Quellen wird das Steuerungsregister bis zum Zensusstichtag laufend aktualisiert.

Angebunden an das Steuerungsregister werden die Angaben zu Auskunftspflichtigen an Anschriften mit Sonderbereichen. Im Einzelnen sind dies:

  • Art und Name der Einrichtung,
  • Anzahl der Einrichtungsplätze,
  • Bezeichnung des Trägers, Eigentümers oder Verwalters der Einrichtung sowie deren Kontaktdaten.    

Verbunden mit dem Steuerungsregister ist weiterhin der Personenbestand (PB) der sich aus den verschiedenen Melderegisterdatenlieferungen speist. Diese Registerlieferungen unterscheiden sich hinsichtlich ihres Merkmalsumfangs und des Zeitpunktes der Lieferung. Die ersten Personendaten aus den Melderegistern wurden bereits mit der ersten Datenlieferung zum 12. November 2017 (MR2017) durch die Kommunen bereitgestellt. Sie bestehen unter anderem aus den Merkmalen Familiennamen (auch Geburtsname und früherer Name), Vornamen, Geburtsdatum und aktuelle Anschrift (für den Aufbau des Steuerungsregisters), inkl. Wohnungsstatus (Hauptwohnsitz, Alleiniger Wohnsitz oder Nebenwohnsitz) und werden benötigt, um den Personenbestand das erste Mal aufzubauen, die Strukturmerkmale Anzahl der Personen mit Alleinigem Wohnsitz oder Hauptwohnsitz (AW/HW) bzw. Anzahl der Personen mit Nebenwohnsitz (NW) für das Steuerungsregister (SR) je Anschrift zu berechnen sowie um einen Melderegister-Abgleich zur Ermittlung aktueller Anschriften von möglichen Auskunftspflichtigen der GWZ durchzuführen.

Eine weitere an das Steuerungsregister angebundene Tabelle enthält die Angaben zu den Auskunftspflichtigen für die Gebäude- und Wohnungszählung. Für die Durchführung der GWZ werden daher die im Steuerungsregister enthaltenen Anschriften um die zugehörigen Eigentümerangaben, d.h. Bezeichnung oder Name und dessen Anschrift, ergänzt. Hierfür wurden erstmals im Oktober 2018 und ein zweites Mal im März 2019 bei den kommunalen Grundsteuerstellen und der Oberfinanzdirektion Frankfurt entsprechende Eigentümerangaben aus den dort vorliegenden Datenbeständen angefordert. Die daraufhin übermittelten Eigentümeranschriften werden bearbeitet und in einem eigens zur Durchführung der GWZ erstellten Eigentümerdatenbestand mit den im Steuerungsregister enthaltenen Anschriften verknüpft.

Melderegister als zentrale Quelle

Die Melderegister besitzen im Rahmen der Zensusvorbereitung und -durchführung zentrale Bedeutung. Neben der Initiallieferung vom November 2017 zum Aufbau des Steuerungsregisters und einer Testlieferung im Januar 2019 werden insgesamt vier weitere Datenlieferungen (MRV1, MRV2, MRZ1 und MRZ2) zu unterschiedlichen Stichtagen mit Personendatensätzen angefordert. Sie sind die Basis für die weiteren Arbeiten, weil sie neben den Anschriften und Strukturmerkmalen für das Steuerungsregister auch die demografischen Grunddaten der Bevölkerung, die Grundlagen für die ortsbezogenen Angaben und den Wohnstatus sowie die Ausgangsdaten für die Zuordnung von Personen zu Haushalten und Lebensgemeinschaften enthalten. Weiterhin dient der Bestand an neu gemeldeten Wohnanschriften aber auch der Aktualisierung des Anschriftenbestandes im Steuerungsregister.

Infokasten 3: Melderegisterlieferungen

Die vier vorgesehenen Datenübermittlungen aus den kommunalen Melderegistern dienen der Erfüllung von Aufgaben, die zum jeweiligen Zeitpunkt zur Vorbereitung und Durchführung des Zensus notwendig sind. Dabei werden nur die Merkmale angefordert, die für die Umsetzung der jeweiligen Arbeitsschritte benötigt werden.

Die ersten, etwa 15 Monate vor dem Zensusstichtag übermittelten Daten aus den Melderegistern dienen der Aktualisierung des Steuerungsregisters. Hierdurch wird die Gesamtheit aller für den Zensus 2021 relevanten Anschriften überprüft und vervollständigt. Dieser Datenbestand ist die Basis für die Quantifizierung der Anschriftengrößen und die Ziehung der Haushaltsstichprobe.

Die etwa 6 Monate vor dem Zensusstichtag übermittelten Daten dienen der stichtagsnahen Aktualisierung des Steuerungsregisters. Mit diesem Datenbestand wird die Vollzähligkeit der einzubeziehenden Erhebungseinheiten bei der Durchführung des Zensus sowie bei den Zusammenführungen der Daten aus den verschiedenen Erhebungsteilen des Zensus geprüft. Sie werden zur Durchführung der Gebäude- und Wohnungszählung benötigt, um z. B. die aktuelle Anschrift der Auskunftspflichtigen überprüfen zu können und prüfen zu können, ob die Zahl der unter einer Anschrift gemeldeten Personen mit Angaben aus der Gebäude- und Wohnungszählung übereinstimmen können. Darüber hinaus werden die Daten benötigt, um eine Nachziehung der Haushaltsstichprobe mit den neu hinzugekommenen Anschriften (Neubauten) vor dem Zensusstichtag durchzuführen.
Die zum Zensusstichtag übermittelten Daten aus den Melderegistern dienen der stichtagsgenauen Ermittlung des melderechtlich erfassten Personenbestands. Um stichtagsrelevanten Änderungen Rechnung zu tragen, die erst nach dem Zensusstichtag Eingang in die Melderegister finden, bedarf es eines Abgleichs mit den drei Monate nach dem Zensusstichtag übermittelten Melderegisterdaten. Um auch die Personen am richtigen Wohnort zählen zu können, die sich nach dem Zensusstichtag bei den Meldebehörden rückwirkend anmelden, ist es notwendig, zu allen Personen einen weiteren Melderegisterauszug anzufordern. Dieser Melderegisterauszug soll drei Monate nach Zensusstichtag erstellt werden, da aufgrund der Erfahrungen beim Zensus 2011 davon auszugehen ist, dass nachträgliche Meldungen innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten bei den Meldebehörden erfolgen. Identifiziert werden sollen damit einerseits Personen, die am Zensusstichtag gemeldet, tatsächlich aber bereits verzogen oder verstorben sind sowie andererseits Personen, die zwar nicht gemeldet, tatsächlich jedoch in der Gemeinde wohnhaft waren.

Der im Rahmen der Zensusvorbereitung im Steuerungsregister eingespielte Anschriftenbestand bildet zusammen mit den zu den Anschriften verfügbaren Personendaten zunächst die Grundlage für die Auswahl der in der Haushaltestichprobe zu erhebenden Anschriften. An ihnen werden die Melderegisterdaten überprüft und zusätzliche, nicht in Registern verfügbare, Merkmale erhoben. Die zu den Stichprobenanschriften im Steuerungsregister verfügbaren Informationen werden darüber hinaus zur Erstellung der Erhebungslisten für die Befragungen vor Ort genutzt.

Gleichzeitig bildet die Zahl der übermittelten Personendatensätze auch die Ausgangsgröße für die Ermittlung der Einwohnerzahlen. Da die Angaben aus den Registern teilweise nicht vollständig oder aktuell sind, beschränkt sich die Ermittlung der Einwohnerzahlen und deren zählungsrelevante Zuordnung zu einer Kommune nicht nur auf eine einfache Auszählung der Melderegister. Es kommt vor, dass Personen an ihrem Wohnort gar nicht mehr gemeldet sind (Fehlbestände) oder dass Personen im Register aufgeführt sind, obwohl sie schon längst umgezogen sind (Karteileichen). Ebenso kann es sein, dass Personen bundesweit mehrfach mit einem Hauptwohnsitz oder nur mit Nebenwohnsitzen gemeldet sind. Aus diesem Grund sieht die im Zensus angewandte Methode eine Reihe ergänzender und korrigierender Maßnahmen bei der Ermittlung der Einwohnerzahlen vor, wie z. B. die Mehrfachfallprüfung. Dabei werden doppelt oder mehrfach erfasste Personen gesucht. Nicht jede Dublette im Datenbestand muss anschließend überprüft und bereinigt werden. Melderechtlich ist es zulässig, dass Personen mit einer Hauptwohnung und einer bzw. mehreren Nebenwohnung(en) gemeldet sind. Entsprechend erfolgt eine Überprüfung einer Dublette nur dann, wenn eine Person mit mehreren Hauptwohnungen bzw. alleinigen Wohnungen oder ausschließlich mit Nebenwohnungen ohne zugehörige Hauptwohnung gemeldet ist. Für diese Fälle ist zu klären, an welcher der Anschriften sich der korrekte Hauptwohnsitz der Person zum Zensusstichtag befand.

Abbildung 3: Einwohnerzahlermittlung

Melderegisterbestand (zum Zensusstichtag)
Nebenwohnsitze
Freiwillige Meldungen (Angehörige ausländischer Streitkräfte,
Diplomaten)
+Zuzüge und Geburten
=Konsolidierter Melderegisterbestand
Abgänge durch Mehrfachfallprüfung
+Zugänge durch Mehrfachfallprüfung
= 1. korrigierter Melderegisterbestand
Abgänge Sonderbereichserhebung
+Zugänge Sonderbereichserhebung
=2. korrigierter Melderegisterbestand
Karteileichen (hochgerechnet) aus Haushaltsstichprobe
+Fehlbestände (hochgerechnet) aus Haushaltsstichprobe
=Einwohnerzahl

Für die Haushaltestichprobe werden den Erhebungsstellen nach der Stichprobenziehung die erforderlichen Begehungsunterlagen zur Verfügung gestellt. An jeder zu begehenden Anschrift müssen die Erhebungsbeauftragten die dort lebenden Personen erfassen. Stimmt das Ergebnis mit den Melderegistereinträgen nicht überein, werden nicht gefundene Personen entsprechend als vorläufige „Karteileichen“ markiert und nicht im Melderegister geführte Personen als vorläufige Fehlbestände ergänzt. Diese vorläufigen Ergebnisse der Existenzfeststellung werden mit dem aktuellen Melderegisterbestand zum Zensusstichtag nochmals abgeglichen und gegebenenfalls korrigiert.

Ähnlich wird auch bei den in Sonderbereichen wohnenden Personen die Existenz durch eine primärstatistische Befragung festgestellt. Da in Sonderbereichen wohnende Personen nach dem geltenden Melderecht nicht nur in der Kommune, in welcher der Sonderbereich liegt, gemeldet sein müssen, sondern noch in ihrer Heimatkommune gemeldet sein können, findet ein bundesweiter Abgleich der im Rahmen der Befragungen in den Sonderbereichen festgestellten Personendaten mit den Meldedaten zur Klärung des Wohnsitzes statt. Zusammen mit einer Dublettenprüfung in den Daten der Melderegister bilden die festgestellten Fehlbestands- und Karteileichenraten die Basis für die statistische Korrektur der Melderegister und die Ermittlung der Einwohnerzahlen zum Zensusstichtag.

Infokasten 4: Statistische Korrektur der Melderegister
Die Korrektur der Einwohnerzahlen erfolgt seit der Volkszählung 1987, also auch im Zensus 2011 und 2021, ausschließlich in den Daten der amtlichen Statistik. Seine Begründung hat diese Vorgehensweise im Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts vom 15. Dezember 1983 (AZ. 1 BvR 209, 269, 362, 420, 440, 484/83), mit der das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, abgeleitet aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht und der Menschenwürde, etabliert wurde. Dadurch wurde auch das bis einschließlich der Volkszählung 1970 übliche Rückspielen der durch die Vor-Ort-Begehungen festgestellten Fehler in den Melderegistern an die Kommunen zur Bereinigung derselben unterbunden.
Mit der jetzt angewandten Methode einer stichprobenweisen Überprüfung von Anschriften wäre es darüber hinaus auch nicht mehr möglich, eine vollständige Korrektur der kommunalen Melderegister aus den Zensusangaben durchzuführen.

Weitere Register als Datenquellen

Wie bereits ausgeführt, sind die Inhalte des Steuerungsregisters für den Zensus idealerweise alle Anschriften einer Gebietseinheit mit Wohnraum. Dazu müssen aus den Datenbeständen des BKG und der Melderegister die Anschriften identifiziert werden, die über Wohnraum verfügen. Dieser als Wohnraumprüfung bezeichnete Vorgang sieht verschiedene maschinelle und manuelle Verfahren bis hin zur Möglichkeit der Begehung von Anschriften vor. In einem ersten Schritt wird dabei zunächst davon ausgegangen, dass sämtliche Anschriften, an denen Personen laut Melderegister gemeldet sind, als Anschriften mit Wohnraum anzusehen sind. Diese Festlegung führt allerdings nicht in allen Fällen zu eindeutigen Ergebnissen. So kann es beispielsweise im Melderegister reine „Meldeadressen“ geben, die mit keinem existierenden Gebäude verknüpft sind oder der Bestand des BKG enthält Wohnanschriften, die (noch) nicht bemeldet sind (Leerstände, Neubauten). Zur Klärung solcher Fälle werden weitere Möglichkeiten manueller oder auch maschineller Art umgesetzt. Für die maschinellen Prüfungen, die unter Effizienzgesichtspunkten im Vordergrund stehen, sieht das Steuerungsregister Importmöglichkeiten vor, um weitere Datenbestände aus verschiedenen Datenquellen in das Register importieren zu können und anschließend mit Hilfe fester Regeln die Wohnraumeigenschaft bestimmen zu können. Auf Grund der Erfahrungen aus dem Zensus 2011 und weiteren Recherchen zu möglichen Datenquellen und deren Weiterentwicklung seit dem Zensus 2011 haben sich für die Nutzung im Zensus 2021 die nachfolgend aufgeführten Datenbestände unterschiedlicher Behörden und Unternehmen als geeignete Quellen zur Sicherung der Datenqualität herauskristallisiert.

  • Liegenschaftskataster (ALKIS) der Landesvermessungsverwaltungen:

Das Amtliche Liegenschaftskataster-Informationssystem (ALKIS) enthält neben den Adressmerkmalen wie Lagebezeichnungen und, falls vorhanden, postalischen Anschriften auch die Eigentümerangaben aus den Grundbüchern sowie Angaben zur tatsächlichen Nutzung von Flurstücken. Darüber hinaus sind sie weitgehend tagesaktuell verfügbar, da Änderungen laufend eingepflegt werden. Ein Auszug dieser Daten wird daher für die Zwecke des Zensus genutzt. Die ALKIS-Daten werden für die Pflege und Überprüfung des Steuerungsregisters und die Ergänzung möglicher Auskunftspflichtiger für die GWZ genutzt. Dafür werden aus ALKIS zusammen mit den Angaben zu Anschriften auch Informationen zu Gebäuden und Flurstücken und deren Eigentümern eingezogen. Die Abzüge aus ALKIS werden beginnend im Jahr 2018 bis einschließlich 2022 jährlich am 15. Februar eines jeden Lieferjahres von den Vermessungsverwaltungen übernommen.

  • Deutsche Post AG: DATAFACTORY BUILDINGS und microdialog:

Die Deutsche Post AG bietet Daten zu rund 20 Millionen zustellrelevanten Gebäuden in Deutschland für verschiedene Einsatzzwecke an. Die statistischen Ämter der Länder haben sich entschlossen, diese Daten auch für Zensuszwecke einzusetzen. Ziel ist insbesondere die Qualitätssicherung von Anschriften im Steuerungsregister sowie die Wohnraumprüfung. Dabei wird ein für Zensuszwecke angepasster Merkmalskranz eingesetzt, der die folgenden Angaben umfasst:

  • Postleitzahl
  • Ort
  • Ortsteil
  • Straße
  • Hausnummer
  • Hausnummernzusatz
  • Anzahl Privathaushalte (Gebäude)
  • Anzahl Gewerbebetriebe (Gebäude)
  • Gebäudenutzung (Gebäude)
  • Gebäudetyp
  • Gebäudegröße
  • Wohnfläche
  • Straßentyp

Darüber hinaus enthalten aber auch die im nachfolgenden beschriebenen Datenquellen, die primär zu Identifizierung von Auskunftspflichtigen für die Gebäude- und Wohnungszählung herangezogen werden, Angaben zur Identifizierung von Wohnanschriften.

  • EKom21-Gebäudedatei:

Die Ekom21 als Dienstleister der meisten hessischen Kommunen verfügt über eine Adressdatei aller in den Melderegistern der von ihr betreuten Kommunen enthaltenen Wohnanschriften. Darin enthalten sind auch die Anschriften, die zwar aktuell nicht bemeldet sind, aber auf Grund früher dort gemeldeter Personen als potenzielle Wohnanschriften gelten. Bereits im Rahmen des Zensus 2011 konnten rund 40 % aller damals hinsichtlich ihrer Wohnraumeigenschaft unklaren Anschriften mittels dieser Datei geklärt und klassifiziert werden.

Aufbau des Eigentümerbestandes

Mit dem Zensus 2012 werden auch Daten zur Wohnsituation der Menschen erhoben. In Deutschland existieren keine flächendeckenden Register, aus denen der Gebäude- und Wohnungsbestand und seine Nutzung kleinräumig festgestellt werden kann. Der entsprechende Datenbedarf muss auch beim registergestützten Zensus durch eine Gebäude- und Wohnungszählung gedeckt werden. Anders als bei den klassischen Volkszählungen, bei denen die Angaben durch Befragung vor Ort sowohl der Gebäudeeigentümer als auch der Wohnungsinhaber erhoben wurden, sollen beim registergestützten Zensus die Gebäude- und Wohnungsgrunddaten bei den Personen oder Institutionen erfragt werden, in deren Eigentum sich die Gebäude und Wohnungen befinden bzw. die diese Objekte verwalten. Dafür ist eine postalische Kontaktaufnahme und Befragung der Auskunftspflichtigen notwendig. Voraussetzung für eine solche postalische Befragung ist die Identifizierung der Erhebungseinheiten. Da für die GWZ nur bewohnte Gebäude bzw. Gebäude mit Wohnraum zählungsrelevant sind, müssen diese im Vorfeld der Erhebung eindeutig im Rahmen der Wohnraumprüfung (s. oben) festgestellt werden. Der zweite Schritt ist dann die Ermittlung der auskunftspflichtigen Personen oder Unternehmen sowie deren aktuelle Anschrift. Für die Erfüllung dieser Aufgabe sieht das ZensVorbG den Einzug geeigneter Datenbestände bei verschiedensten Quellen vor. Die Landesvermessungsverwaltungen liefern aus dem dort aufgebauten ALKIS-Datenbestand auch Angaben zu den Eigentumsverhältnissen.

Weitere bereits aus dem Zensus 2011 bekannte und bewährte Quellen zur Ermittlung von Auskunftspflichtigen und deren Anschriften für die postalische Kontaktaufnahme im Rahmen der GWZ werden auch für den Zensus 2021 genutzt. Dies können zum Beispiel die nach Landesrecht für die Grundsteuer und die Führung der Grundbücher, für die Finanzverwaltung oder für die Ver- und Entsorgung zuständigen Stellen sein, wobei zu den Letztgenannten auch private Betriebe zählen können. Weitere Informationen zu den Quellen und deren Nutzung ist im Aufsatz zur Gebäude- und Wohnungszählung 2021 in Hessen beschrieben.

Nach den Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes zur geplanten Volkszählung von 1983 und im Nachgang des Zensus 2011 hat sich das registergestützte Vorgehen auch für den Zensus 2021 in Deutschland etabliert. Die weiteren Entwicklungen und methodischen Untersuchungen verfolgen für zukünftige Volkszählungen das Ziel einer reinen Registerauswertung. Wann dieses Ziel erreicht wird, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell es gelingt, die bestehenden Register zu ertüchtigen und neue Register für derzeit noch primär zu erhebende Daten aufzubauen.

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  1. BVerfG, Urteil v. 15. Dezember 1983, Az. 1 BvR 209, 269, 362, 420, 440, 484/83

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